Es ist ein alter Brauch, fast schon eine lieb gewonnene Tradition der deutschen Wirtschaftsgeschichte: Kaum steht eine neue Gesellschaft im Handelsregister, kaum ist die Tinte unter der Eintragung trocken, da treten sie auf den Plan. Die selbsternannten Gebühreneintreiber, Registerhelfer, Zahlungsstellen und sonstigen Kreativabteilungen organisierter Geschäftstüchtigkeit.
So auch diesmal.
Die Kleeberg.HOLDINGS UG /haftungsbeschränkt) ist gerade offiziell im Handelsregister angekommen – und zack: Post im Briefkasten. Ernstes Layout, amtlicher Ton, ein Siegel hier, ein Aktenzeichen dort. Alles sieht so aus, als müsse man jetzt sofort handeln. Schließlich geht es ja um das Handelsregister. Um Pflichten. Um Fristen. Um Ordnung.
Die Sache mit dem „Amtlichen Eindruck“
Wer solche Schreiben zum ersten Mal sieht, bekommt leicht Puls. Das ist kein Zufall. Genau darauf ist das Ganze ausgelegt.
Typische Zutaten:
Bezug auf das Handelsregister
eine angebliche „Rechnung“ oder „Kostenaufstellung“
kurze Zahlungsfristen
viel Paragraphen-Dekor
und natürlich: eine IBAN, die möglichst weit weg wirkt
Denn Hand aufs Herz: ES am Anfang einer IBAN fällt auf. ES steht für Spanien. Nicht für ein deutsches Amtsgericht, nicht für eine Landeskasse, nicht für irgendeine offizielle deutsche Behörde.
Und trotzdem funktioniert es. Jeden Tag.
Warum diese Masche so gut läuft
Das Handelsregister ist öffentlich. Neue Eintragungen sind für jedermann einsehbar. Für ehrliche Kaufleute genauso wie für weniger ehrliche Zeitgenossen.
Das Geschäftsmodell ist simpel:
Neue Gesellschaft finden
Amtlich aussehende Post verschicken
Auf Unsicherheit, Zeitdruck und Unerfahrenheit setzen
Auf Überweisung hoffen
Rechtlich bewegt sich das Ganze oft in einer Grauzone. Meist steht irgendwo im Kleingedruckten, dass es sich um ein „Angebot“, eine „freiwillige Leistung“ oder einen „Eintrag in ein privates Register“ handelt. Nur eben nicht dort, wo man zuerst hinschaut.

Kleine Merkhilfe für Unternehmer
Ein paar einfache Grundsätze helfen, ruhig zu bleiben:
Deutsche Behörden haben deutsche IBANs. Punkt.
Amtliche Gebühren kommen in der Regel vom Gericht selbst – oder über bekannte Wege (Justizkasse, Landesoberkasse etc.).
Niemand zwingt Sie per Brief zu einem kostenpflichtigen Eintrag in ein privates Register.
Zeitdruck ist ein Warnsignal, kein Argument.
Und ganz wichtig: Ein echtes Amtsgericht droht nicht, lockt nicht und arbeitet nicht mit marketingtauglichen Rechnungsformularen.
Ein persönlicher Hinweis aus der Praxis
In diesem konkreten Fall kommt noch ein weiterer Punkt hinzu, der die Absurdität solcher Schreiben besonders deutlich macht:
Die Eintragungskosten der Kleeberg.HOLDINGS UG waren zu diesem Zeitpunkt bereits vollständig beglichen – in bar bei der Zahlstelle des Amtsgerichts Koblenz.
Der Hintergrund ist schlicht und unaufgeregt: Der Hintergrund ist rein praktisch und hat nichts mit Versäumnissen zu tun: Notare treten nicht in Vorausleistung (die sogenannte Starkmachung) für ihre Mandanten. Gerade bei Gesellschaften mit geringem Stammkapital – wie es bei einer UG der Fall ist – werden Gerichtskosten stets vorab und in voller Höhe als Vorschuss verlangt.
Entsprechend wurde der klassische, seit Jahrzehnten bewährte Weg gewählt: Bareinzahlung bei der Gerichtskasse.
Das bedeutet ganz nüchtern:
keine offene Forderung,
keine Zahlungsfrist,
kein Anlass für weitere Gebühren,
und schon gar kein Grund für internationale Zahlungsstellen mit spanischer IBAN.
Genau solche Fälle zeigen, wie wichtig es ist, Rechnungen nicht isoliert, sondern immer im tatsächlichen Verfahrenskontext zu betrachten.
Gelassenheit als unternehmerische Tugend
Früher nannte man so etwas Lehrgeld. Heute nennt man es Aufklärung.
Die gute Nachricht: Wer einmal so ein Schreiben gesehen hat, erkennt die nächste Variante sofort. Der Ton mag wechseln, das Layout moderner werden, das Herkunftsland variieren – das Prinzip bleibt dasselbe.
Die Kleeberg.HOLDINGS UG nimmt es sportlich. Ein Eintrag im Handelsregister ist schließlich ein Zeichen von Substanz. Und offenbar auch ein zuverlässiger Trigger für internationale Fantasieabrechnungen.
Unternehmerische Gelassenheit beginnt dort, wo man den Unterschied zwischen staatlicher Ordnung und kreativer Abzocke erkennt.
Oder anders gesagt: Kaum eingetragen – schon angekommen im echten Leben der Wirtschaft.